Ursachenforschung mit Logik und Gespür

Nathalie Gyger untersucht mit Fokus auf den Bereich Netz, wie Arbeitsprozesse bereichsübergreifend besser aufeinander abgestimmt werden. Ihre Hilfsmittel: ein offenes Ohr, Charme und die Fähigkeit, logische Zusammenhänge aufzuzeigen.

  • 25. März 2019

«Ja, ich arbeite in einem Bereich, in dem Männer stark in der Überzahl sind. Und ja, das war zu Beginn nicht immer einfach. Konflikte und Unzufriedenheiten haben einzelne Abläufe belastet und ich habe den Auftrag erhalten, die-sen nachzugehen. Als junge Frau – und erst noch in einer technischen Branche – hat man mir zu Beginn nicht wirklich zugetraut, nachhaltige Lösungen herbeizuführen. So habe ich es jedenfalls empfunden. Die mir zur Verfügung stehenden Hilfsmittel waren ein offenes Ohr, Charme und die Fähigkeit, logische Zusammenhänge aufzuzeigen.

Mit der Zeit ist die Skepsis in Akzeptanz und Vertrauen übergegangen. Nun arbeite ich mit den Kollegen zusammen, um aus etwas Gutem etwas noch Besseres zu machen. Konkret haben wir in diesem Jahr analysiert, wie wir vom Kundenwunsch nach einer warmen Wohnung bis zur Rechnungsstellung des Gasanschlusses wertschöpfend bereichsübergreifend zusammenarbeiten.

Netzprozesse im Fokus

In einem neuen Projekt beschäftigen wir uns nun mit der Optimierung und der Digitalisierung von Netzprozessen wie etwa der Instandhaltung von Druckreduzier- und Messstationen, Zählerwechsel- oder Apparatekontrollen. Das klingt nicht gerade prickelnd? Gegenfrage: Mögen Sie Krimis?

In einem Krimi versucht ein Ermittler, einen Verbrecher zu finden. Ich versuche mit meiner Arbeit, Ursachen von unnötigen Aufwänden zu finden. Diese sogenannten «Verschwendungen» wollen wir vermeiden. Das Vorgehen ist ähnlich wie im Krimi: Vor Ort gehen, sich ein Bild machen, mit den Menschen reden. Ich versuche, die Prozessschritte und die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zu verstehen. Spannend: Meine Erkenntnisse aufzuzeigen reicht meist aus, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, was an einem Prozess optimiert werden sollte. Diesen Prozess modelliere ich dann gemeinsam mit den involvierten Mitarbeitenden neu, so dass am Schluss nur noch wertschöpfende Arbeitsschritte vorliegen. Die Verschwendung? Ausgemerzt – vorerst jedenfalls auf dem Papier.

Ein Beispiel für eine Verschwendung, die zu einem Konflikt führt: Heute werden die Arbeitszeitrapporte zum Teil noch handschriftlich auf Papier festgehalten und durch eine zentrale Stelle ins System abgetippt. Dabei wird in Form von Codes auch notiert, in welcher Funktion die Arbeit geleistet worden ist. Hinter diesen Codes verbergen sich unterschiedliche Stundenansätze, die auf der Kundenrechnung abgedruckt werden. Die Liste von Fehlerursachen reicht hier vom Verwechseln der Codes über eine unleserliche Handschrift bis zu Fehlern beim Abtippen. Nun wollen wir diese Abläufe digitalisieren; schliesslich macht Energie 360° sich fit für die Zukunft. Durch die Digitalisierung eliminieren wir die genannten Fehlerquellen und beugen Konflikten vor.

«Verschwendung» ist im Prozessmanagement ein zentraler Begriff. Er steht im Gegensatz zur Wertschöpfung für die Tätigkeiten, die den Wert des Produkts oder der Dienstleistung aus Kundensicht nicht erhöhen.

Die Arbeit fordert mich gleichermassen intellektuell wie emotional, und darum liebe ich meinen Job. Intellektuell gefordert bin ich beim Verstehen der Zusammenhänge und bei der Konzipierung der Prozesseinführung. Emotional gefordert bin ich beim täglichen Austausch mit meinen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen. Ist jemand unzufrieden mit einem Prozess, ist das schnell formuliert. Eine nachhaltige Lösung finden wir allerdings erst, wenn wir die Gesamtzusammenhänge berücksichtigen und auch an die anderen Prozessbeteiligten denken. Das verlangt Geduld und Motivation von den Beteiligten. Und manchmal auch das Verlassen der Komfortzone. Das ist Arbeit. Doch wer Veränderung will, muss investieren.

Unsere Unternehmensstrategie setzt auf erfolgreiches Zusammenarbeiten. Das Motto ‹Working together is success› stützt meine Arbeit. Unsere Projekte sind oftmals komplex und umfassen zahlreiche Arbeitsschritte. Viele interne und externe Stellen sind involviert. Oft führt man seine Arbeit nach bestem Gewissen aus und merkt gar nicht, dass unpräzise Angaben (auf die man notabene gar nicht sensibilisiert ist) einige Prozessschritte später zu Fehlern führen. Und klar: Wenn man für etwas nicht sensibilisiert ist, kann man dafür auch keine Verantwortung übernehmen.

Ich setze mich ein für ein Unternehmen mit Mitarbeitenden, die die Gesamtzusammenhänge verstehen, Veränderungen herbeiführen und Verantwortung übernehmen wollen. Und sich bewusst sind über ihren Beitrag zur Wertschöpfung für Kunden und Partner. Dann macht die Arbeit so richtig Spass.»

Macht Gutes besser: Nathalie Gyger analysiert im Gespräch mit Henrik Brauer Netz-prozesse in einer Druckreduzier- und Messstation.

Macht Gutes besser: Nathalie Gyger analysiert im Gespräch mit Henrik Brauer Netzprozesse in einer Druckreduzier- und Messstation.

Name
Nathalie Gyger
Das steht auf der Visitenkarte
Projektleiterin Netzprozesse – und im Kleingedruckten müsste «Politikerin, Mediatorin und Übersetzerin» stehen
Mein Job
Braucht viel Energie, macht aber unglaublich Spass
Geschätzte Zahl an geleiteten Workshops 2018
Wahrscheinlich über 50
Was mich am Thema Prozessmanagement begeistert
Mich fasziniert, wie sich Konflikte lediglich durch das Verstehen von Zusammenhängen lösen lassen.
Mein Job ist dann zu Ende, wenn …
Nie!

 

Nathalie Gyger ist eine von rund 250 Mitarbeitenden, die sich bei Energie 360° in ganz verschiedenen Funktionen für eine nachhaltige Energiezukunft einsetzen.

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