Sonnenenergie gemeinschaftlich optimal nutzen

Die Infrastrukturen für Strom, Wärme und Mobilität wachsen zusammen. Besonders in Mehrparteien-Immobilien und Arealen können die verschiedenen Energieträger in einem intelligent verknüpften Energiemanagementsystem effizient zusammengeführt werden. Solaranlagen kombiniert mit Eigenverbrauchsgemeinschaften sorgen dabei für maximale Wirtschaftlichkeit.

Moderne Energiemanagementsysteme für den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch

Strom aus Grosskraftwerken über den lokalen Energieversorger, Heizenergie aus Öl oder Gas, Benzin oder Diesel im Tank des Fahrzeuges: Bislang waren die Energiequellen und -träger so unterschiedlich wie ihre Nutzung. Für jeden Bereich gab es unabhängige Systeme und Versorgungsinfrastrukturen. Diese Zeiten sind vorbei – die verschiedenen Energiesektoren lassen sich heute problem- und nahtlos miteinander verbinden: Die Solaranlage auf dem Dach produziert erneuerbare Energie, die Sonnenenergie wird für die Wärmepumpenheizung genutzt oder in ein Batteriespeichersystem eingespeist. Daran ist auch die Ladestation für das Elektrofahrzeug in der Garage angeschlossen.

Innovative Einfamilienhausbesitzer praktizieren diese Sektorkopplung im Kleinen schon länger. Nun wird das Zusammenführen der einzelnen Energiesysteme aber auch für Mehrparteien-Immobilien und ganze Areale interessant. Möglich machen dies zwei Dinge: moderne Energiemanagementsysteme und der so genannte «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch» (ZEV).

 

Alles aus einer Hand. Energie 360° bietet integrale Lösungen für Immobilien.

Energieeffizienz: Zwei Bausteine für ein intelligentes Zusammenspiel

Durch intelligente Schnittstellen und ein IT-gestütztes Netzwerkmanagement lassen sich die einzelnen Energieträger heute als integrales, massgeschneidertes Energiesystem einfach bewirtschaften. Energiemanagementsysteme wie jenes von «Smart Energy Link», einer Tochtergesellschaft von Energie 360°, sorgen dafür, dass der Eigenverbrauch der produzierten Solarenergie innerhalb einer Liegenschaft oder eines Areals optimiert wird und alle möglichen Synergien genutzt werden.

Das hat Folgen – alle drei Komponenten des Strompreises reduzieren sich. Wenn der selbst produzierte Strom grösstenteils innerhalb der Immobilie verbraucht wird, muss weniger Strom vom Netz bezogen werden, wodurch sich erstens die Energiekosten, zweitens die Netzkosten und drittens auch die staatlichen Abgaben verringern. Wird die bestehende Ölheizung durch eine Gasheizung oder gar eine Wärmepumpe ersetzt, reduziert sich zusätzlich der CO2-Ausstoss und der Energieverbrauch wird nachhaltiger.

Mit dem Anfang 2018 in Kraft getretenen neuen Energiegesetz kommt der zweite Faktor ins Spiel: der ZEV. Durch solche Zusammenschlüsse von mehreren Wohn- und Gewerbeeinheiten unter einem Dach oder in einem Areal nutzen Immobilienbesitzer oder -verwalter den dezentral produzierten (Solar-)Strom noch wirtschaftlicher. Denn die unterschiedlichen Verbrauchsprofile und -spitzen der angeschlossenen Einheiten werden im Verbund optimiert und geglättet – der lokale Strom wird möglichst dann verbraucht, wenn er produziert wird. Zudem lassen sich die Investitionen für grössere Solaranlagen und Energiespeicher über einen ZEV besser amortisieren.

 

ZEV bieten zahlreiche Vorteile

  • Durch den intelligent gesteuerten Verbrauch und ein ausgeglichenes Verbrauchsprofil des Energiemanagementsystems sind sie besonders wirtschaftlich.
  • Die Unabhängigkeit von den Energieversorgern und Verteilnetzbetreibern wird grösser, der Strom wird an die eigenen Mieter verkauft, statt zu einer geringeren Entschädigung ins Netz eingespeist.
  • Die Energiekosten sind auf lange Sicht gut kalkulierbar und die Abhängigkeit von schwankenden Energiepreisen wird kleiner.
  • Ein nachhaltiger Energiekreislauf wird initiiert; dieser ist auch eine attraktive Marketingkomponente für Vermieter und Immobilienverwalter.
  • Die Administration und Verrechnung wird durch einen einzigen Systempartner vereinfacht.
  • Grossbezüger im teilliberalisierten Markt können, da sie als ein einziger Verbraucher gelten, den Strom günstiger einkaufen am Markt.

Nachhaltiges Vorzeigeobjekt Ecoviva in Niederlenz

Ansicht der Überbauung Ecoviva im aargauischen Niederlenz.

Die Bewohner der Überbauung Ecoviva im aargauischen Niederlenz teilen sich ein gemeinsames Energiemanagementsystem.

Wie ein modernes Energiemanagementsystem mit Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ZEV in der Praxis funktioniert, zeigt die Überbauung Ecoviva im aargauischen Niederlenz. Das von Energie 360° zusammen mit der Reichmuth International Gruppe realisierte Projekt basiert auf 100 Prozent erneuerbarer Energie. Die Überbauung ist zudem zu einem hohen Grad energieautark.

Mehr über Ecoviva erfahren

 

 

Hintergrund-Interview mit David Stickelberger, Geschäftsführer des Verbandes Swissolar zum Projekt

«Die Wirtschaftlichkeit ist auch bei Solaranlagen entscheidend»

Für David Stickelberger, Geschäftsführer des Verbandes Swissolar, sind Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch ein wichtiges Element zur Stärkung der erneuerbaren Energien und der Energiewende in der Schweiz.

 

Das neue Energiegesetz im Rahmen der Energiestrategie 2050 des Bundes ermöglicht Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV). Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Vorteile?

Auch bei der Photovoltaik ist die Wirtschaftlichkeit des Systems ein massgeblicher Faktor. Wenn sich nun Haushalte und Gewerbetreibende innerhalb einer Liegenschaft oder eines Areals zusammenschliessen können, profitieren sie von solchen ökonomischen Vorteilen, da die Solarenergie vom eigenen Dach günstiger ist als der Strom aus dem Netz. Zudem können auch Mieter von ökologischer, erneuerbarer Energie profitieren, die sonst keinen Zugang hätten zu einer eigenen Photovoltaikanlage.

Welches sind die Vorteile aus Sicht der Immobilienbesitzer oder -verwalter?

ZEV sind auch über Parzellengrenzen hinweg möglich. Dadurch können nicht nur Abnehmer in einem Gebäude, sondern auch in der weiteren Umgebung gewonnen werden. So lassen sich die Amortisation einer grösseren Solaranlage besser kalkulieren und die Verbrauchskurven der verschiedenen Strombezüger zusammenführen und glätten. Wer seine Solarenergie innerhalb eines ZEV vertreibt, hat zudem einen besseren Erlös, als wenn er die Energie ins Netz einspeist, denn die Vergütung durch die lokalen Versorger ist geringer.

Sektorenkopplung, ZEV, dezentrale Produktion: Es scheint, als werde das Energiesystem immer komplexer…

Die Entwicklung ist klar: Weg von einem Top-Down-Prozess mit grossen Kraftwerken, hin zu sogenannten «Prosumern», die Strom verbrauchen und produzieren. Das führt zunächst zu einer höheren Komplexität des Gesamtsystems. Doch moderne IT-Systeme und Energiemanagementsysteme sind heute bereits verfügbar. Sie machen besonders in Mehrfamilienhäusern und bei ZEV Sinn. So lassen sich auch grössere Investitionen etwa in Speicherbatterien stemmen. Denn sie verbessern letztlich die Wirtschaftlichkeit des ganzen integralen Systems. Einziges Problem bleibt momentan noch die saisonale Speicherung erneuerbarer Energien. Doch auch da zeichnen sich Lösungen ab, zum Beispiel mit Power-to-Gas-Anlagen, bei denen das Gasnetz als Speicher dient.

Welche Auswirkungen haben ZEV und dezentrale Microgrids auf das Gesamtenergiesystem?

Sie helfen mit, dass weniger Netzausbauten nötig sind. Zudem wird durch die Stärkung der erneuerbaren Energien die Energiewende vorangetrieben – so wie dies auch das Stimmvolk bestätigt hat. Was sich noch verbessern muss, ist die Sicht der einzelnen Energieversorger und Verteilnetzbetreiber – sie sehen die «Prosumer» noch zu stark als Konkurrenten. Dabei könnten sie sich als Dienstleister, etwa bei der Abrechnung, durchaus profitabel positionieren.

Wird die Dezentralisierung des Energiesystems weitergehen?

Auf jeden Fall. Es wird aber auch künftig grosse Wasserkraftwerke brauchen, um die Schweiz mit Winterstrom zu versorgen oder die Netzstabilität zu gewährleisten. Auch grosse PV-Anlagen – etwa auf Dächern in der Landwirtschaft – sind nötig. Zusammen mit neuen Windkraftanlagen sowie der Verstromung von Gas – zukünftig aus Biogas und Power-to-Gas-Anlagen – sorgen sie für die Versorgungssicherheit im Gesamtsystem.

David Stickelberger ist Geschäftsleiter des Verbandes Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Solarenergie. Swissolar vertritt die Interessen von rund 700 Verbandsmitgliedern und setzt sich für die Zunahme der Solarenergienutzung in der Schweiz ein.

 

Kommentar verfassen*

Tragen Sie unten Ihre Daten ein