Biogas für tausend Wohnungen

Seit letztem Herbst betreibt Energie 360° eine Aufbereitungsanlage für Biogas im sankt-gallischen Uzwil. Dort, wo früher aus Grünabfällen Strom entstand, produziert die Energieversorgerin heute so viel Biogas, wie es zum Heizen von etwa tausend Wohnungen braucht, und verbessert die Energienutzung deutlich.

In sankt-gallischen Uzwil hat Energie 360° im Herbst eine weitere Aufbereitungsanlage für Biogas in Betrieb genommen. Es ist bereits die sechste der schweizweit tätigen Energieversorgerin. Allerdings wird in Uzwil bereits seit 20 Jahren nachhaltig Energie produziert. Bis jetzt diente das bei der Vergärung von organischen Abfällen entstehende Rohbiogas zur Stromproduktion. Neu kauft Energie 360° das Rohgas von Axpo Kompogas und bereitet es in der neuen Anlage zu Biogas auf. Dieses speist sie dann ins lokale Gasnetz der Technischen Betriebe Uzwil ein.

Grünabfall effizienter nutzen

Die Einspeisung erhöht den Nutzungsgrad des erzeugten Gases. Die Energie im regionalen Grünabfall wird also effizienter genutzt als bisher. So effizient, dass ein Gasfahrzeug mit dem in Uzwil produzierten Biogas sechshundert Mal um die Welt fahren könnte. «Ziel ist es, mit der neuen Anlage bis zu zwölf Millionen Kilowattstunden Biogas pro Jahr zu produzieren», erklärt Marco Minder, Projektleiter bei Energie 360°. «Das deckt immerhin den durchschnittlichen Bedarf von über tausend Wohnungen.» Im Geschäftsjahr 2017 hat Energie 360° insgesamt 420 Gigawattstunden Biogas verkauft. Das entspricht einer Zunahme von 64% gegenüber dem Vorjahr. Und der Absatz des klimafreundlichen Energieträgers soll weiter steigen: Bis 2030 will die Schweizer Gasindustrie den Biogas-Anteil im Wärmemarkt auf 30% erhöhen.

Membran als Filter

Hohlfasermembran Biogas

Querschnitt durch eine Hohlfasermembran von Evonik, wie sie in der Anlage in Uzwil verwendet wird.

In nur einem Jahr haben Energie 360° und Axpo Kompogas die neue Biogas-Aufbereitungsanlage realisiert. Herzstück der Anlage sind ihre Hohlfasermembranen. Diese trennen das im Rohgas enthaltene CO2 in einem dreistufigen Prozess ab, damit am Ende nur das einspeisefähige Methan ins Netz kommt. Marco Minder dazu: «Das Rohgas, das bei der Vergärung entsteht, ist nicht immer gleich. Im Herbst enthält der verarbeitete Grünabfall beispielsweise viel Laub, Anfang Januar dann zahlreiche ausgediente Christbäume.» Die Zusammensetzung des Grünabfalls beeinflusst die Qualität und die Menge des Rohgases. Diese Schwankungen gleicht die Aufbereitungsanlage aus – so dass am Ende immer Biogas in derselben Qualität entsteht.

Die Wurst auf dem Dach

Die Hohlfasermembranen leisten ihren Dienst im Verborgenen. Hingegen sieht man den Gasspeicher schon von weitem: eine ballonartige Konstruktion, ähnlicher einer Wurst, mit etwa fünf Metern Durchmesser. «Aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse war schnell klar, dass wir den Speicher aufs Dach der Presswasserhalle bauen müssen», blickt Marco Minder auf die Planungsphase zurück. «Das hat uns hinsichtlich der Konstruktion doch vor ein paar Herausforderungen gestellt.» Zwar ist der ballonartige Speicher selbst nicht schwer, aber es braucht eine starke Stahlkonstruktion, um ihn zu befestigen – und die hat Gewicht. «Damit der Speicher für unser Biogas auch bei starkem Wind auf dem Dach fest verankert bleibt, haben wir 20 Tonnen Stahl verbaut.»

Das Biogas im Netz von Energie 360° wird ausschliesslich aus Abfallstoffen hergestellt. Vor 150 Jahren sah die Welt noch anders aus: Damals wurde in den Gaswerken aus Kohle Gas gewonnen.

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