«Wir müssen unser Mobilitätsverhalten hinterfragen»

Mónica Menéndez leitet an der ETH Zürich die Forschungsgruppe Strassenverkehrstechnik. Sie erklärt, weshalb selbstfahrende Autos keine Staus verhindern und wieso wir verschiedene Arten von Mobilität kombinieren sollten.

Mónica Menéndez ist Expertin für Mobilität: Sie erforscht Verkehrssysteme an der ETH Zürich.

Staus auf den Strassen, überfüllte Busse und Züge – das Verkehrssystem scheint an seine Grenzen zu stossen. Lässt es sich noch optimieren?

Ja, es besteht noch Verbesserungspotenzial. Allerdings: Um das Verkehrssystem nachhaltig umzubauen, müssen wir unser Mobilitätsverhalten hinterfragen. Brauchen wir beispielsweise wirklich alle ein privates Fahrzeug?

Wie beantworten Sie diese Frage?

Dass die Zukunft darin liegt, verschiedene Transportarten zu kombinieren. Etwa indem man mit dem Velo zu einem Auto radelt, das man sich mit anderen teilt. Idealerweise wird der öffentliche Verkehr also durch Shared Mobility ergänzt.

Sie erforschen die Entwicklung des Strassenverkehrs. Sind selbstlenkende oder gar selbstfahrende Autos die Lösung für unsere Verkehrsprobleme?

Eine Pauschallösung sind selbstfahrende Autos nicht. Ein Beispiel: Um ein Auto zu lenken, muss man in der Schweiz 18 Jahre alt sein und einen Führerschein besitzen. Für ein selbstfahrendes Fahrzeug gelten diese Regeln vielleicht nicht mehr. Das kann zu mehr Verkehr führen, selbst dann, wenn eigentlich weniger Autos unterwegs sind. Gleichzeitig verspreche ich mir eine Steigerung der Sicherheit und der Effizienz, weil selbstfahrende Autos untereinander kommunizieren.

Stichwort Effizienz: Lösen selbstfahrende Autos das Stauproblem?

Nein. Solange wir alle immer noch gleich viele Kilometer zurücklegen, bleibt auch das Verkehrsaufkommen gleich hoch. Auch Carsharing mit selbstfahrenden Autos löst das Stauproblem nicht. Denn entscheidend für das Verkehrsaufkommen ist eben nicht die Anzahl Fahrzeuge, sondern wie viele Kilometer wir alle zurücklegen. Erst wenn wir vermehrt Fahrgemeinschaften bilden, nimmt der Verkehr ab.

Was fasziniert Sie an der Erforschung des Strassenverkehrs?

Seit ich mit der Forschung in diesem Bereich begonnen habe, kann ich nicht mehr damit aufhören. Einerseits ist es ein Fachgebiet, zu dem alle Menschen einen Bezug haben. Andererseits ist unser Wissen darüber immer noch ziemlich begrenzt. Momentan befinden wir uns am Rande eines Paradigmenwechsels in der Mobilität. Es gibt noch eine Menge zu tun, um unsere Zukunft zu gestalten.

Dass sich in Sachen Mobilität ganz viel verändern wird, davon ist auch Energie 360° überzeugt. Deshalb engagieren wir uns für ein dichtes Netz an Elektroladestationen in der ganzen Schweiz und bieten den Fahrerinnen und Fahrern von Elektroautos einen praktischen Lade-Service an.

Elektromobilität entdecken

Kommentar verfassen*

Tragen Sie unten Ihre Daten ein