«Ich konstruiere alles im Kopf»

Thomas Bechtiger baut Elektromotoren in kultige Vespas ein. Er erzählt, wie er seine Idee entgegen allen Widerständen in die Tat umgesetzt hat.

Thomas Bechtiger, Geschäftsführer und Inhaber der Bemoto GmbH in Zürich

Thomas Bechtiger, Geschäftsführer und Inhaber der Bemoto GmbH in Zürich

Thomas Bechtiger, was raten Sie jemandem mit einer Idee?

Wenn alle sagen «Das schaffst du nie» oder «Das geht nicht» – dann solltest du Mut zeigen und ihnen das Gegenteil beweisen. Ist deine Idee einfach und genial, wird es auch klappen.

Von einer Idee bis zum fertigen Produkt ist es ein langer Weg – wie haben Sie diesen gemeistert?

Schritt für Schritt – angefangen bei der Konstruktion meiner Elektro-Vespa über das Tüfteln und Anpassen bis zum funktionierenden Ergebnis. Innerhalb einer Nacht hatte ich eine Skizze im Kopf, wie ich den Elektromotor und die grossen Akkus in der kleinen Vespa unterbringen würde. Dank meiner Erfahrung brauche ich dafür keine computerbasierten Konstruktionshilfen – ich konstruiere alles im Kopf. Bis zum fertigen Produkt dauerte es aber noch rund vier Jahre.

Sie bauen moderne Elektroantriebe in kultige Vespas aus den 60er-Jahren ein. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese beiden Dinge zu vereinen?

Aus der Not heraus. Eines Tages brachte mir ein Kunde Dutzende von alten Vespas aus Vietnam, die ich für die Zulassung in der Schweiz vorbereiten sollte. Auslaufendes Öl, Lärm und stinkende Abgase – das gefiel mir gar nicht. Aber aus wirtschaftlichen Gründen musste ich den Auftrag annehmen. Dabei kam mir der Gedanke: In diese Vespas gehören doch eigentlich Elektromotoren!

Wie kam die Vespa mit Elektromotor bei den Kundinnen und Kunden an?

Es gab viele Skeptiker, die dachten, dass das nicht funktionieren werde. Doch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h und einer Reichweite von bis zu 200 km kann sich die Elektro-Vespa durchaus sehen lassen. Zudem zielt das Produkt auf Liebhaberinnen und Liebhaber ab; auf diesem Markt kann die etwas teurere Elektro-Vespa bestehen. Die Fahrerinnen und Fahrer sind jedenfalls glücklich damit.

Woher nahmen Sie die Energie, über so lange Zeit in Ihrer Freizeit an der Vespa zu arbeiten – ohne Erfolgsgarantie?

Ich glaube, dazu brauchte es eine gehörige Portion Naivität, denn ich habe den Arbeitsaufwand des Projekts komplett unterschätzt. Hinzu kommen meine Leidenschaft und Masslosigkeit: Wenn ich an etwas glaube, dann investiere ich alles und gehe mit Überzeugung an die Arbeit. Ansonsten kann man es gleich sein lassen, finde ich.

Thomas Bechtiger, Geschäftsführer und Inhaber der Bemoto GmbH in Zürich. Er ist gelernter Motorradmechaniker und hat sich vor über 20 Jahren mit seiner Werkstatt selbstständig gemacht. Nachdem diese 2011 bei einem Brand vollständig zerstört worden war, hat er sie gemeinsam mit Freunden wiederaufgebaut.

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