bluecamp – junge Klimaschützer machen sich schlau

Seit 2012 unterstützt Energie 360° die gemeinnützige und unabhängige Schweizer Klimaschutzorganisation myblueplanet – zum Beispiel beim attraktiven bluecamp. Dort sensibilisieren Experten interessierte junge Menschen für Themen wie Förderung von erneuerbaren Energien, Reduktion des Energieverbrauchs oder Steigerung der Energieeffizienz.

  • 11. Juli 2017

Wie muss man sich so ein bluecamp vorstellen? Bleibt bei solch existenziellen Themen noch Zeit für Spass? Wir haben hingeschaut: Im Juni 2017 rückten neun Lernende aus den Kantonen Zürich, Graubünden und Appenzell in das zweitägige bluecamp ein. Übernachtet haben sie in der Jugi St. Gallen mit wunderschöner Sicht auf die Stadt.

Unser Eindruck: Das bluecamp macht Spass – und wie! Unter wachsam-milder Aufsicht von Campleiterin Nadine Frei kochten die angehenden Klimaschützer gemeinsam, erhielten von Bosco Büeler – Umweltschutzberater der ersten Stunde, Mitbegründer der Carsharing-Plattform Mobility und Gastgeber einer eigenen TV-Sendung – wertvolle Tipps zum Stromsparen, gingen gemeinsam vegan essen, besuchten im Naturmuseum St. Gallen die Ausstellung «Wir essen die Welt» und liessen sich die Funktionsweise einer Kläranlage zeigen.

Das bluecamp dient den Jugendlichen als Vorbereitung für die Entwicklung eines eigenen Klimaprojekts, einer sogenannten «bluesolution». Dieses können sie anschliessend beim Partnerprojekt «Energie- und Klimawerkstatt» der Organisation myclimate einreichen. Wir haben drei Teilnehmende nach ihrer Motivation für ihr Umweltengagement und die Teilnahme am bluecamp gefragt.

Kerim Cilasin, 23, angehender Automatiker EFZ, Gais AR

Kerim Cilasin, 23, angehender Automatiker EFZ, Gais AR

«Nach der Matura studierte ich zwei Jahre an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft. Stärker als im Hörsaal engagierte ich mich während des Studiums im Social Business Club. Dieser hat zum Ziel, Unternehmertum zu fördern, das nicht nur den Profit in den Vordergrund stellt, sondern sich auch an Werten orientiert. Das theorielastige Studium habe ich inzwischen zugunsten einer Lehre als Automatiker aufgegeben. Das ist ein eher junger Beruf, entstanden aus den Berufsbildern Elektromechaniker und Elektromaschinenbauer.

Hochaktuell finde ich das Thema Food Waste: In der Ausstellung «Wir essen die Welt» erfuhr ich, dass in der Schweiz ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen werden. Man könnte diese doch stattdessen einer Institution wie der Schweizer Tafel zukommen lassen!

Mir imponieren die Philosophien der Firmen LemonAid aus St. Pauli in Hamburg oder Zum guten Heinrich aus Zürich. Die Zutaten der Getränke von LemonAid kommen von Fair-Trade-Plantagen und sind biozertifiziert. Das Zürcher Cateringunternehmen verarbeitet qualitativ einwandfreies, aber unförmiges Gemüse und Obst.

Umweltschutz geht Hand in Hand mit nachhaltigem Unternehmertum. Anstatt nur immer auf den Profit zu schauen, könnte die Schweiz hier eine Vorbildrolle übernehmen. Unsere intakte Natur etwa ist ja auch elementar für den Tourismus.»

 

 

Selina Cathomas, 19, angehende kaufmännische Angestellte, Trin GR

Selina Cathomas, 19, angehende kaufmännische Angestellte, Trin GR

«Ich bin zusammen mit drei Lehrlingskolleginnen der Weissen Arena Gruppe, der Organisation für Tourismus- und Bergbahnen der Region Flims Laax Falera, im bluecamp. Die letzten zwei Monate meiner KV-Ausbildung durfte ich auf eigenen Wunsch in der Abteilung Umweltmanagement absolvieren.

Nachhaltigkeit ist auch für uns ein wichtiges Thema. Den Energiebedarf des Skigebiets Laax decken wir zu 100 Prozent mit CO2-neutraler Schweizer Wasserkraft und mit eigenen Solaranlagen. Wir produzieren unter anderem Sonnenstrom an der Talstation der Zehner-Gondelbahn La Siala. Auch an sämtlichen neuen Liftstationen installieren wir Solaranlagen.

Die Weisse Arena Gruppe arbeitet eng mit myblueplanet zusammen. Beispielsweise bieten wir künftig in den Restaurants klimafreundliche Menüs an. Ich selbst ernähre mich seit mehr als fünf Jahren vegetarisch. Deshalb freute ich mich sehr, mit dem bluecamp ein tolles veganes Restaurant zu besuchen. Zuhause mache ich meine Eltern manchmal darauf aufmerksam, dass sie regionale Produkte kaufen sollen.

Beeindruckt hat mich, wie sich mit kleinen Anpassungen am Arbeitsplatz Energie sparen lässt. Beispielsweise sollte man den Computer über Nacht ganz abstellen und nicht im Standby-Modus laufen lassen.»

 

 

Janik Keller, 16, angehender Automatiker EFZ, Rorbas ZH

Janik Keller, 16, angehender Automatiker EFZ, Rorbas ZH

«Das Bewusstsein für Umweltschutzthemen habe ich von meinem Vater. Er fährt jetzt schon sein zweites Elektroauto: einen Nissan Leaf. Ich verfolge auch sehr aufmerksam, welche Modelle bei Tesla neu im Angebot sind.

Als Familie engagieren wir uns schon lange bei WWF und Greenpeace. Auch trennen wir alle Wertstoffe, welche man dem Recycling zuführen kann, neuerdings auch Plastik. Manchmal vergesse ich noch, dass man das jetzt kann, und werfe Plastik aus Versehen in den gewöhnlichen Abfalleimer.

Schon lange lasse ich das Wasser nicht mehr unnötig laufen und lösche immer das Licht, wenn ich es nicht brauche. Hier im bluecamp lernte ich zusätzlich, dass man am Arbeitsplatz Helligkeitssensoren in den Lichtanlagen einbauen kann. So dimmen diese automatisch, wenn von draussen genug Sonnenlicht in den Raum einfällt.

Die Stimmung unter den Teilnehmenden des Camps war hervorragend. Die vier Kolleginnen aus dem Bündnerland waren mir sofort sympathisch. Vielleicht liegt es am schönen Dialekt. Mit Veganismus habe ich eigentlich nicht so viel am Hut. Ich muss aber sagen, dass das Essen im veganen Restaurant ausgezeichnet schmeckte.»

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