Das Gasnetz für die nächsten 50 Jahre fit machen

Die Monteure von Energie 360° kümmern sich derzeit um ein Vorhaben der besonderen Art: Sie erneuern das Gasnetz im Niederdorf und im Oberdorf der Stadt Zürich. Wie gut sie diese logistische Herausforderung dank ihrer langjährigen Erfahrung meistern, zeigt ein Besuch auf der aktuellen Baustelle im Rindermarkt.

Mühelos schiebt der kleine Bagger die schwere Stahlplatte zur Seite. Darunter kommt eine Baugrube mit freigelegten Gasleitungen zum Vorschein. Rechts ist ein neues Rohr zu sehen, links ein altes, das in den nächsten Tagen ebenfalls saniert wird. Vom benachbarten Haus her verläuft eine dünnere Gasleitung mit mehreren Bögen zur Mitte der Grube hin. Gleich werden Monteure von Energie 360° sie mit der Hauptleitung verbinden und somit den sanierten Hausanschluss fertigstellen.

Die routinierten Handgriffe der Fachleute zeigen, dass sie solche Arbeiten schon oft verrichtet haben. Und doch läuft die Sanierung des Gasnetzes im Niederdorf und im Oberdorf der Stadt Zürich – momentan hier im Rindermarkt – anders ab als auf sonstigen Baustellen. Denn die Altstadtgassen sind eng und müssen für Feuerwehr, Sanität und Zulieferverkehr jederzeit befahrbar bleiben. Für ein Baulager fehlt daher der Platz. Den Monteuren bleibt nichts anderes übrig als eine Logistik «just in time». In ihrem Lieferwagen bringen sie morgens genau jenes Material mit zur Baustelle, das sie im Laufe des Tages benötigen.

Aus robustem Kunststoff: Die neuen Rohre fürs Gasnetz halten mindestens 50 Jahre.

Aus robustem Kunststoff: Die neuen Rohre fürs Gasnetz halten mindestens 50 Jahre.

Intensive Bauweise

Für den reibungslosen Ablauf der intensiven Arbeiten sorgen der Bauleiter Felix Ehnert und Jürgen Knöpfel als Verantwortlicher für Gaslaternen und Hausanschlüsse. Wie bei der Sanierung des Gasnetzes üblich, erneuert Energie 360° auch gleich die Hausanschlüsse. Allerdings stehen die Häuser in der Altstadt viel dichter nebeneinander als in anderen Quartieren. Dies macht das Projekt besonders anspruchsvoll: So viele Abgänge von der Gasleitung zu den Häusern und zu Gaslaternen gibt es im Verteilnetz von Energie 360° nur ganz selten.

Das Zauberwort heisst Etappierung: Energie 360° saniert das Gasnetz samt den Hausanschlüssen in kurzen Abschnitten von je 30 bis 40 Metern. Pro Etappe ist ein Zeitbudget von einer Arbeitswoche eingeplant. Dank dieser intensiven Bauweise muss Energie 360° keine Provisorien zu den einzelnen Gebäuden installieren. Die Fachleute schliessen jeden Hausanschluss innerhalb eines Tages an die Hauptleitung an, sodass das Erdgas/Biogas am Abend bereits wieder strömt.

Jeder Handgriff sitzt: Zur Sanierung des Gasnetzes gehört auch die Erneuerung der Hauszuleitungen.

Jeder Handgriff sitzt: Zur Sanierung des Gasnetzes gehört auch die Erneuerung der Hauszuleitungen.

Ein neues Rohr ins alte Rohr

Hier in der Altstadt bedeutet Tiefbau beim Gasnetz keine durchgehenden offenen Baugräben. Damit die Anwohnenden und der Zulieferverkehr möglichst wenig beeinträchtigt werden, setzt Energie 360° auf das Relining – ein Verfahren, bei dem in die bestehende Gasleitung ein neues Rohr mit etwas kleinerem Durchmesser eingeschoben wird. Damit sind pro Etappe nur eine Hauptgrube und je eine kleine Grube für jeden Hausanschluss nötig. Die Anwohnerinnen und Anwohner profitieren dabei von einer kürzeren Baudauer.

Die erste Etappe hat Energie 360° bereits abgeschlossen. Bei allen Gruben wurde vorerst ein provisorischer bituminöser Belag anstelle von Pflastersteinen eingebaut. Am Ende des Projekts wird die Baufirma wieder überall die ursprüngliche Pflästerung erstellen, sodass nichts mehr an die Bauarbeiten erinnert.

Einzigartige Gaslaternen

Auch die historischen Gaslaternen werden dann wieder leuchten. Während der Bauarbeiten bleiben sie ausgeschaltet. Ihre Arbeit übernehmen derweil provisorische Leuchten, die mit Strom funktionieren. Die insgesamt 36 Gaslaternen in der Zürcher Altstadt sind ein Unikat. Sie wurden eigens für Zürich entwickelt und erinnern ans 19. Jahrhundert, als noch kein Strom für die öffentliche Beleuchtung floss und in der Stadt über 3000 Gaslaternen brannten.

Die heutigen Gaslaternen kommen wie ihre historischen Vorfahren ohne Stromanschluss aus. Eine batteriebetriebene, über eine Photozelle gesteuerte Schaltelektronik ermöglicht, dass sich bei Einbruch der Dämmerung ein Magnetventil öffnet und das Erdgas/Biogas in die Leuchte strömt. Mit Hilfe der Wachflamme werden dann die sechs Glühstrümpfe entzündet.

Viele Leute in der Stadt schätzen die Gaslaternen, weil sie im Vergleich zu modernen LED-Lampen ein wärmeres Licht verbreiten. Allerdings sind sie auch anfälliger für Defekte. Wenn ein Sturm die Gaslaternen ordentlich durchschüttelt, kommt es durchaus vor, dass der eine oder andere Glühstrumpf dabei kaputtgeht. Deshalb führen Mitarbeitende eines Partnerunternehmens im Auftrag von Energie 360° drei Mal jährlich eine Sichtkontrolle und immer im Sommer eine grosse Wartung durch.

Die Sanierung des Gasnetzes im Niederdorf und im Oberdorf nutzt Energie 360°, um bei jeder Gaslaterne einen separaten Zuleitungsschieber zu installieren. Sollte eine Leuchte beschädigt werden – etwa durch einen vorbeifahrenden Lastwagen – kann Energie 360° künftig nur noch diese Gaslaterne ausser Betrieb nehmen und reparieren.

Verbreiten ein angenehmes Licht: Die Gaslaternen im Niederdorf und im Oberdorf wurden eigens für die Stadt Zürich angefertigt.

Verbreiten ein angenehmes Licht: Die Gaslaternen im Niederdorf und im Oberdorf wurden eigens für die Stadt Zürich angefertigt.

Energie 360° informiert alle Besitzerinnen und Besitzer von Restaurants und Geschäften persönlich, bevor die Sanierung des Gasnetzes in ihrer Gasse losgeht. Solche Gespräche sind wichtig, um Verständnis zu schaffen. Denn Baustellen vor der Haustür mag niemand. Doch wenn die Sanierung abgeschlossen ist und der Alltag wieder einkehrt, ist das Gasnetz für mindestens die nächsten 50 Jahre fit.

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