Biogas aus Industrieabwasser

Ab September 2017 speist Energie 360° erstmals Biogas aus Industrieabwasser ins Erdgasnetz ein. Die neue Biogas-Aufbereitungsanlage im solothurnischen Niedergösgen nutzt das Klärgas aus der erneuerten Abwasserreinigungsanlage der Papierfabrik der Model AG.

Von der einfachen Transportverpackung bis zur edlen Parfumbox: Die Model AG entwickelt, produziert und liefert hochwertige Verpackungslösungen aus Voll- und Wellkarton. Das Schweizer Unternehmen mit Hauptsitz in Weinfelden/TG beschäftigt in neun Ländern mehr als 4200 Mitarbeitende – unter anderem in seiner Papierfabrik in Niedergösgen.

Dort feierte die Model AG kürzlich den Spatenstich für den Neubau der betriebseigenen Kläranlage. Sie ist Teil eines Ausbauprojekts, mit dem die Model AG in den nächsten Jahren ihre Produktionskapazität in Niedergösgen Schritt für Schritt von derzeit rund 200‘000 Tonnen auf 300‘000 Tonnen Papier pro Jahr steigern will. Die geschlossene, geruchsfreie und umweltschonende Kläranlage bietet eine deutlich höhere Kapazität als die bisherige aus dem Jahr 1991 und geht in der zweiten Jahreshälfte 2017 in Betrieb. Das Besondere daran: Aus Industrieabwasser entsteht Biogas zum Heizen und Autofahren.

Potenzial ausschöpfen

Für Energie 360° bedeutet das eine Premiere. Das Unternehmen betreibt zwar schon mehrere Aufbereitungsanlagen für Klärgas bzw. Biogas aus kommunalen Abwasserreinigungsanlagen und Abfallvergärungsanlagen. Eine industrielle Kläranlage als Lieferantin von Klärgas ist hingegen ein Novum. Aber ein logischer Schritt, wie Projektleiter Alex Rudischhauser sagt: «Wir wollen alle Potenziale für Biogas ausschöpfen. Deshalb haben wir die Chance gepackt, als wir von der Erneuerung der Kläranlage erfuhren, und mit der Leitung der Model AG das Gespräch gesucht.»

Die Leitung des Verpackungsunternehmens und die Familie Model begrüssten die Idee einer Aufbereitungsanlage für Biogas. Bisher hat die Papierfabrik in Niedergösgen ihr Klärgas eingesetzt, um damit einen kleinen Teil der benötigten Wärme herzustellen. Den grösseren Teil deckt der Betrieb aber ohnehin durch Fernwärme ab. Neu liefert diese die gesamte Wärme; Energie 360° kann das Klärgas zur Produktion von Biogas nutzen.

Biogas für 1300 Wohnungen

Jede Aufbereitungsanlage für Biogas wird individuell auf ihren Einsatz angepasst und optimiert. Nur dann funktioniert sie zuverlässig und lässt sich mit geringem Aufwand betreiben. Die Anlage in Niedergösgen etwa verfügt über eine zusätzliche Verfahrensstufe. Diese ist nötig, weil das Abwasser aus der Papierproduktion und damit auch das Klärgas mehr Schwefel enthält als üblich – ein Stoff, der vollständig aus dem Biogas entfernt werden muss. Die wirksame Beseitigung des Schwefels sorgt zudem dafür, dass Geruchsemissionen aus der Papierfabrik künftig auf ein Minimum sinken. Wie alle Aufbereitungsanlagen von Energie 360° lässt sich auch jene bei der Model AG vollständig fernüberwachen.

Hier entsteht schon bald Biogas: Baustelle für die neue Kläranlage der Model AG in Niedergösgen.

Hier entsteht schon bald Biogas: Baustelle für die neue Kläranlage der Model AG in Niedergösgen.

Bereits im September 2017 wird sie erstes Biogas herstellen und ins lokale Gasnetz einspeisen. Energie 360° rechnet mit einer Jahresproduktion von 13 Gigawattstunden Biogas. Das entspricht dem durchschnittlichen Gasverbrauch von etwa 1300 Wohnungen. So trägt die Aufbereitungsanlage in Niedergösgen dazu bei, dass die Schweizer Gaswirtschaft ein wichtiges Ziel erreicht: Bis 2030 will sie den Anteil der erneuerbaren Gase im Wärmemarkt auf 30 Prozent steigern. Schon heute können die Kundinnen und Kunden von Energie 360° ihren Anteil Biogas selbst bestimmen. Biogas-Kreislauf kennen lernen

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