«Es gibt keinen Sanierungszwang durch MuKEn»

Andreas Peter erklärt, was die MuKEn für Hauseigentümer bedeuten. Der Gebäudetechnik-Fachmann gibt auch Tipps, wie die neuen Auflagen umgangen werden können.

Interview mit Andreas Peter*

Herr Peter, ab wann gelten die MuKEn 2014 im Kanton Zürich?
Man geht davon aus, dass die MuKEn 2014 in den ersten Kantonen ab 2017 eingeführt werden. Im Kanton Zürich wird das voraussichtlich der Fall sein.

Gibt es einen Sanierungszwang?
Nein. Wenn der Wärmeerzeuger einwandfrei funktioniert, kann ich die Anlage ohne Einschränkung weiterbetreiben. Lediglich zentralen Elektroheizungen werden nach den neuen Vorschriften eine Frist von 15 Jahren für die Sanierung vorgeschrieben – diese Systeme sind aber sehr wenig verbreitet. Wenn ich aber sanieren muss, habe ich dies nach den neuen Vorschriften zu tun. In Deutschland ist das teilweise anders – dort müssen veraltete Heizsysteme nach einer gewissen Frist durch ökologischere ersetzt werden.

Soll ich jetzt sanieren oder zuwarten?
Beides kann Sinn machen. Wer jetzt seinen Wärmeerzeuger saniert, kann dies bis Inkrafttreten der neuen Vorschriften noch ohne zusätzliche Anforderungen tun. Stehen jedoch Massnahmen an der Gebäudehülle an, der Austausch des Wärmeerzeugers aber erst Jahre später, kann es sinnvoll sein, zu warten und beides zusammen als Standardlösung umzusetzen. Denn bereits durchgeführte Massnahmen am Gebäude können später nur über einen GEAK-Ausweis «angerechnet» werden. Die Standardlösung führt dann unter Umständen zu einer Klassifizierung D oder besser und damit sind die Richtlinien der MuKen 2014 auch eingehalten.

Umgekehrt gedacht: Der Umweg über den GEAK-Ausweis ist angebracht, wenn man keine der elf Standardlösungen will.
Genau. Beispielsweise, wenn man eine kleinere Solaranlage einbauen möchte als in den Standardlösungen vorgegeben und dafür noch teilweise die Fenster saniert – es gibt viele individuelle Wege, die Klassifizierung D zu erreichen.

Der GEAK ist aber ein zusätzlicher Aufwand.
Ja, im Einfamilienbereich muss man mit 500 Franken Mehrkosten rechnen, im Mehrfamilienbereich je nach Komplexität mit 2000 Franken Mehrkosten. Übrigens: Die Kantone befürworten den GEAK-Ausweis. Sie sind der Meinung, dass der Hauseigentümer durch die GEAK-Abklärungen erst richtig erkennt, wie energieeffizient sein Gebäude ist. Ähnlich einem Autobesitzer, der erst mit der Energieeffizienzetikette erkennt, ob sein Fahrzeug umweltfreundlich motorisiert ist oder nicht.

Raten Sie zu einem GEAK-Ausweis?
Das ist fallabhängig. Es ist eine Zusatzinvestition. Solange die Abklärungen von einem unabhängigen Berater gemacht werden, der den Hausbesitzer nicht in eine bestimmte Richtung drängt oder gewisse Technologievorlieben hat, ist der GEAK-Ausweis durchaus sinnvoll.

*Andreas Peter ist Dipl.-Ing. (FH) Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik und arbeitet beim Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches. Seine Spezialgebiete sind Gas-Wärmepumpen und Strom erzeugende Heizungen.
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Comments

  1. Mohn sagt:

    Herr Andreas Peter,
    Gibt es Sanierungsauflagen für Heizungssanierungen ab 2020 der Gemeinde Gaiserwald SG
    zb. Ölheizung alt, neu Pellet, was für Auflagen.
    Mit freundlichen Grüssen
    Hermann Mohn

    • Nadja Wirth sagt:

      Guten Tag Herr Mohn

      Vielen Dank für Ihre Anfrage zu den Sanierungsauflagen.

      Grundsätzlich gelten die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn). Aktuell werden die MuKEn 2015 je Kanton in die Energiegesetzgebung aufgenommen. Dieser Prozess soll schweizweit bis Januar 2020 abgeschlossen sein. Dabei gibt es strenge Auflagen im Bereich Neubau, die unseres Wissens auch überall umgesetzt werden sollen. Im Sanierungsbereich ist in diesen MuKEn eine Sanierungspflicht vorgesehen. Heisst, dass auch bei jeder Heizungssanierung ein Anteil erneuerbarer Energie genutzt werden muss (mind. 10%). Diese Sanierungspflicht wird aber nicht von jedem Kanton übernommen, weil es teilweise mit erheblichen Kosten verbunden ist.

      Grundsätzlich sind Sie mit der Umstellung auf eine erneuerbare Heizungslösung, wie z.B. einer Holzpellet-Heizung oder Elektrowärmepumpe rechtlich auf der sicheren Seite und leisten einen guten Beitrag für die Umwelt. Wie der Kanton St. Gallen diese Auflagen umsetzt, kann Ihnen der Kanton oder die St. Galler Stadtwerke am besten beantworten. Weitere Informationen zu den MuKEn finden Sie hier: https://www.endk.ch/de/energiepolitik-der-kantone/muken

      Freundliche Grüsse
      Nadja Wirth, Digital Communications, Energie 360°