Heizen mit Erdgas/Biogas: Neue Technologien mit grossem Potenzial

Gleich mehrere neue, besonders effiziente Heiztechnologien stehen in den Startlöchern: die Gas-Wärmepumpe, die Strom erzeugende Erdgas-Heizung und die Brennstoffzellen-Heizung. Sie alle funktionieren mit Erdgas/Biogas. Die Nievergelt + Partner AG aus Zürich gehört zu den ersten Installationsfirmen, welche die neuen Systeme bereits einsetzen. Geschäftsführer Thomas Haag spricht im Interview über Vorteile, Kosten und Marktchancen.

Thomas Haag, Geschäftsführer Nievergelt + Partner AG

Thomas Haag, Geschäftsführer Nievergelt + Partner AG

Gibt es Kunden, die Sie schon auf die neuen Heizungen ansprechen?
Thomas Haag: Ja, die Kunden haben durchaus Notiz von diesen Technologien genommen. Denn viele Hauseigentümer informieren sich gut über die verschiedenen Heizsysteme, bevor sie uns kontaktieren. Wenn es dann aber darum geht, sich tatsächlich für eine neue Technologie zu entscheiden, fehlt noch der Mut. Ich höre oft den Satz: «Wir warten, bis diese Heizungen ausgereift sind.»

Sind die Zweifel berechtigt?
Nein, zumindest bei der Gas-Wärmepumpe und der Strom erzeugenden Heizung überhaupt nicht. Die Technologien sind absolut marktfähig und ausgereift. Mit der Brennstoffzellen-Heizung fehlen uns die Erfahrungen. Wir konnten bisher noch keinen Kunden zu einer solchen Anlage motivieren. Das liegt auch daran, dass in der Schweiz erst ein Hersteller Brennstoffzellen-Heizungen anbietet und die Anschaffungskosten derzeit hoch sind.

Sehen Sie dennoch ein Potenzial für diese Technologie?
Ja, ich finde sie sehr vielversprechend und vor allem für Einfamilienhäuser gut geeignet. Aber aus heutiger Sicht muss ich sagen: Es handelt sich noch um eine Technologie der Zukunft.

Wem würden Sie die Brennstoffzellen-Heizung dennoch empfehlen?
Einem Kunden, der selber Strom produzieren und bei dieser Technologie zu den Pionieren gehören will. Zudem sollte die Person die höheren Kosten als Investition in die Zukunft verstehen.

Brennstoffzellen-Heizung kennen lernen

 

Welche Voraussetzungen müssen in einer Liegenschaft für die Gas-Wärmepumpe und die Strom erzeugende Heizung gegeben sein?

Für beide Technologien müssen ein Anschluss ans Gasnetz und eine Kaminanlage gegeben sein. Die Gas-Wärmepumpe empfehle ich für alle Arten von Liegenschaften. Bedingung ist einzig, dass sich eine Tiefenbohrung für die Erdwärmesonde durchführen lässt. Idealerweise fällt der Technikraum gross aus, damit genügend Platz für den Wärmespeicher besteht. Wegen der hohen Vorlauftemperatur kommt die Gas-Wärmepumpe mehrheitlich bei Sanierungen in älteren Liegenschaften zum Einsatz. Eine Strom erzeugende Heizung macht bei einer Anlage mit vielen Betriebsstunden Sinn. Wir empfehlen sie, wenn während mindestens 4000 Stunden pro Jahr Bedarf nach Wärme besteht – etwa bei Liegenschaften mit einem Schwimmbad. In diesem Fall lohnen sich auch die gegenüber einem konventionellen Gas-Brennwertkessel deutlich höheren Anschaffungskosten.

Welche Vorteile haben die beiden Technologien?
Bei der Strom erzeugenden Heizung verrät schon der Name den Hauptvorteil: Mit ihr werden Hauseigentümer zumindest teilweise zu Selbstversorgern beim Strom. Ausserdem bietet sie den gleichen Komfort wie eine konventionelle Gasheizung und arbeitet äusserst leise – leiser etwa als die Gas-Wärmepumpe. Diese wiederum überzeugt durch einen hohen Wirkungsgrad und ist Minergie-tauglich. Zudem liefert sie selbst an sehr kalten Tagen, wenn eine Elektro-Wärmepumpe ans Limit kommt, genügend Energie. Ein weiterer Vorteil: Die Gas-Wärmepumpe benötigt wenig Strom. Deshalb lässt sie sich auch in Gebäuden realisieren, für die eine Elektro-Wärmepumpe als Option ausscheidet, weil sie eine Verstärkung des Stromanschlusses erfordern würde. Und da eine weniger tiefe Erdwärmesonden-Bohrung nötig ist, fallen die Anschaffungskosten der Gas-Wärmepumpe erst noch geringer aus.

Mehr über die Gas-Wärmepumpe erfahren Strom erzeugende Heizung kennen lernen

 

Wie wichtig sind die erneuerbaren Energien für Kunden, die sich für eine Gas-Wärmepumpe interessieren?
Bei einigen Beratungsgesprächen kommt dieser Punkt auf. Dann informiere ich die Kunden, dass sie einen höheren Biogas-Anteil wählen und so auf einen erneuerbaren Energieträger setzen können. Übrigens stellt sich die Frage nach der Ökologie genauso bei der Elektro-Wärmepumpe. Manche Kunden lehnen sie ab, weil sie befürchten, dadurch stärker von Atomstrom abhängig zu werden.

Wie schneiden die neuen Technologien bei den Gesamtkosten ab?
Wenn mich die Kunden nach einer Amortisationsberechnung fragen, bin ich vorsichtig mit Zahlen. Denn die Wirtschaftlichkeit hängt von unsicheren Faktoren ab, vor allem natürlich vom Energiepreis. Aus heutiger Sicht lohnt sich die ­– verglichen mit einer konventionellen Gasheizung – höhere Investition nur sehr langfristig. Deshalb sagen mir viele Kunden: «Ich kaufe nochmals eine Gasheizung und in 15 Jahren schaue ich dann, wie sich die neuen Technologien entwickelt haben.»

Dauert es tatsächlich so lange, bis sie sich durchsetzen?
Für einen schnellen Durchbruch dieser Systeme am Markt kostet die Energie derzeit schlicht zu wenig. Die Umwelt ist zwar ein allgegenwärtiges Thema, aber letztlich geben dann doch die Kosten den Ausschlag. Ein Beispiel: Als der Ölpreis hoch lag, erhielten wir viele Anfragen für Sonnenkollektoren zum Erhitzen des Warmwassers. Seit der Preis im Keller ist, hat das Interesse an solchen Anlagen stark abgenommen. Hinzu kommt, dass die Kunden mit der Gasheizung bereits eine wirtschaftliche und gleichzeitig umweltschonende Alternative zum Ölkessel haben. Deshalb machen die meisten nicht gleich den Schritt zur Gas-Wärmepumpe oder zur Strom erzeugenden Heizung. Falls die Energiepreise in einigen Jahren wieder deutlich steigen, sehe ich aber gute Chancen für die neuen, energieeffizienten Technologien.

Sie gehören innerhalb der Branche zu den Vorreitern für neue Heizsysteme. Was motiviert Sie dazu?
Ich bin überzeugt, dass es für technischen Fortschritt Pioniere braucht. Innovationen setzen sich nur durch, wenn wir den Mut haben, sie auch auszuprobieren. Zum Glück gab es schon immer Leute, die so denken. Sonst würden wir alle immer noch die Füsse am offenen Holzfeuer wärmen.

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